HerzBlick #2: Von 2,40-Meter-Überraschungen, strengen Regeln und dem „Spendentopf der schnellen Wunder“ – Wie eure Hilfe im HerzWerk wirklich ankommt

HerzBlick Verein Herzwerk gemeinnützig blick hinter die Kulissen Ternitz Neunkirchen quadratisch
HerzBlick Verein Herzwerk gemeinnützig blick hinter die Kulissen Ternitz Neunkirchen rechteckig

Willkommen zurück bei „HerzBlick“, unserem ungeschminkten Blick hinter die Kulissen vom Verein HerzWerk in Ternitz. Nachdem wir euch im ersten Teil erzählt haben, warum wir uns diesen täglichen Wahnsinn aus Paketshop, Boutique und Vereinsarbeit eigentlich antun, widmen wir uns heute einer Frage, die uns fast täglich am Tresen gestellt wird: „Wie kann man euch eigentlich unterstützen – und was passiert genau mit den Spenden?“

Wer uns kennt, weiß: Bei uns gibt es keine halben Sachen und keine schwammigen Ausreden. Deshalb legen wir heute komplett offen, was ihr uns spenden könnt, warum wir uns selbst keinen einzigen Cent auszahlen und weshalb wir bei aller Nächstenliebe ganz genau hinschauen, bevor wir helfen.

100 % Ehrenamt: Warum bei uns kein Cent in der Verwaltung versickert

Wenn man heute an große Hilfsorganisationen denkt, schwingt bei vielen Menschen oft ein ungutes Bauchgefühl mit. Man fragt sich: Wie viel von meinen 20 Euro kommt eigentlich noch bei den Kindern oder Familien an, und wie viel frisst der Verwaltungsapparat?

Bei uns im „Haus voller Leben“ in der Döpplingerstraße 14 haben wir von Tag eins an ein glasklares Prinzip geschaffen: Das Haus trägt sich selbst. Durch unsere Paketshops und den regulären Verkauf in unserer Boutique decken wir die laufenden Erhaltungskosten. Zudem haben wir das Büro der Boutique und das Vereinsbüro zusammengelegt, was uns enorm kosteneffizient macht. Bei jeder noch so kleinen Neuanschaffung für den Laden überlegen wir mehrfach, vergleichen tagelang Preise oder schauen, ob wir die Dinge irgendwo gut erhalten gebraucht bekommen.

Und das Wichtigste, was außenstehende Beobachter oft vergessen: Niemand von uns bekommt hier ein Gehalt. Weder wir – Lyn und Martin – noch unsere fleißigen Helferinnen und Helfer, die mit uns im Geschäft stehen, zahlen sich auch nur einen einzigen Cent dafür aus. Alles passiert zu 100 Prozent ehrenamtlich. Das bedeutet im Umkehrschluss: Jeder Euro, der in unseren Spendenboxen landet oder auf das Spendenkonto überwiesen wird, fließt nicht in Miete oder Strom, sondern direkt und ohne Abzüge in unsere Hilfsprojekte.

Von skurril bis herzerwärmend: Was man uns alles spenden kann

Wenn Menschen das Wort „Spende“ hören, denken die meisten sofort an Geld. Natürlich helfen uns Geldspenden enorm, aber ein Projekt auf fast 250 Quadratmetern lebt von so viel mehr! Salopp gesagt: Es gibt fast nichts, was wir nicht brauchen können – solange es vorab mit uns abgesprochen ist.

Bei Sachspenden haben wir nur eine wichtige Bitte: Ruft uns vorher kurz an und macht euch einen Termin für die Übergabe aus. Die Sachen sollten sauber und in einem guten Zustand sein – eben so, wie man sie auch selbst noch mit Freude annehmen würde.

Was mit euren Sachspenden passiert, folgt bei uns einem klaren Drei-Stufen-Plan:

  1. Direkte Soforthilfe: Dinge, die von unseren Klienten aktuell dringend gebraucht werden, geben wir sofort und ohne Umwege direkt an die betroffenen Familien weiter.
  2. Material für Kinder: Bastelspenden und Kreativmaterial reservieren wir direkt für unsere eigenen Kinderveranstaltungen und Workshops im Haus.
  3. Futter für den Spendentopf: Alles andere führen wir dem Verkauf über unsere karitativen Flohmärkte und Aktionen zu. (Wichtiger Hinweis für alle Fans unserer beliebten Mysteryboxen: In die Mysteryboxen wandern keine Sachspenden – diese bestehen zu 100 % aus Neuware eines Kooperationspartners!) Der Erlös aus den gespendeten Stücken füllt direkt unseren „Spendentopf der schnellen Wunder“.

Dass Sachspenden manchmal für echte Lachkrämpfe sorgen können, hat uns erst kürzlich unser Geschäftsnachbar bewiesen. Er stand plötzlich bei Lyn im Laden und zeigte ihr am Handy ein kleines Foto von einer drehbaren Reklamewand. Auf dem Display wirkte das Teil recht handlich, also sagte Lyn sofort: „Ja, das ist cool, das nehme ich!“ – und schickte Martin hinüber, um es kurz zu holen. Eine halbe Stunde später schleppten und wuchteten sechs Männer eine 2,40 Meter hohe, 25 Zentimeter dicke und gut 1,20 Meter breite Wand auf einem massiven Stahlgestell über die Eingangsstiegen ins Geschäft. Während die Männer fast verzweifelten, konnte Lyn nicht mehr vor Lachen, weil sie im ersten Moment dachte, das sei ein Scherz. Aber ehrlich: Wir lieben diese Drehwand bis heute und sie leistet uns großartige Dienste!

Genauso gibt es Momente, die uns tief berühren. Als wir kürzlich gepostet haben, dass wir für Weihnachten einen großen Wunschbaum im Geschäft aufstellen möchten und uns noch fragten, wie wir einen Baum in dieser Größenordnung finanzieren sollen, meldete sich prompt ein Kooperationspartner mit den Worten: „Hey, das ist cool, den bringe ich euch!“

Der „Spendentopf der schnellen Wunder“: Herz zeigen, aber mit strenger Prüfung

Wofür brauchen wir diesen „Topf der schnellen Wunder“ eigentlich? Wir haben ihn ins Leben gerufen, um bei akuten Notfällen sofort reagieren zu können, ohne erst wochenlang eine eigene Veranstaltung planen oder extra Spendenboxen aufstellen zu müssen. Hier geht es um rasche Nothilfe im kleineren Rahmen: dringend benötigte Schulsachen oder Kleidung für Kinder, notwendige Medikamente oder einfach Lebensmittel, wenn am Monatsende der Kühlschrank leer ist.

Doch so groß unser Herz auch ist – wir sind unseren Spendern gegenüber verantwortlich. Deshalb gelten bei uns zwei eiserne Gesetze:

  • Erstens: Wir geben niemals Bargeld heraus. Wenn wir helfen, kaufen wir die benötigten Dinge wie Lebensmittel oder Kindersachen selbst ein oder begleichen offene Rechnungen direkt bei den Geschäften, Dienstleistern oder Gläubigern.
  • Zweitens: Keine Hilfe ohne lückenlose Prüfung. Jeder, der von uns Unterstützung erhalten möchte, muss bereit sein, seine Situation komplett offenzulegen. Wir prüfen nach unseren Vereinsstatuten die tatsächliche Hilfsbedürftigkeit extrem genau – inklusive Kontoauszügen und Gehaltsbestätigungen. Danach beraten wir uns im Team, ob alle Kriterien erfüllt sind und wir diese Hilfe zu 100 Prozent nach außen vertreten können.

Leider erleben wir es immer wieder, dass Menschen anfragen, die eigentlich genug verdienen oder durch eigenes Verschulden in Probleme geraten sind und versuchen, unsere Gutmütigkeit auszunutzen. Man glaubt gar nicht, welche Anfragen uns manchmal unterkommen. Das kostet uns oft wertvolle Zeit, in der wir schon längst jemand anderem hätten helfen können. Aber genau diese strenge Kontrolle ist unser Versprechen an euch: Eure Spende landet ausschließlich bei Menschen, die sie wirklich brauchen.

Der Wunschbaum: Wie ihr in Ternitz zum Christkind werdet

Ein Projekt, das uns jetzt in der Vorweihnachtszeit besonders am Herzen liegt, ist unser großer Wunschbaum. Hier dürfen alle Menschen, die es wirklich schwer haben und sich einen Weihnachtswunsch für ihr Kind nicht leisten können, einen Wunsch aufhängen.

Damit niemand sich schämen muss und der Datenschutz gewahrt bleibt, funktioniert das über ein Zwei-Zettel-System: Außen am Baum hängt sichtbar nur der konkrete Kinderwunsch. Innen in einem verschlossenen Kuvert steckt ein Kärtchen mit den Kontaktdaten der Familie.

Wer helfen möchte, kann einfach zu uns ins HerzWerk kommen, sich einen Wunsch vom Baum nehmen, uns kurz am Tresen Bescheid geben und diesen Wunsch besorgen (oder wir kaufen ihn über zweckgebundene Spenden ein). Erst wenn das Geschenk bei uns abgegeben, liebevoll verpackt und bereit für die Übergabe ist, öffnen wir das Kuvert, versehen das Paket mit dem Namen, legen es unter den Baum und kontaktieren die Eltern. So bleibt alles anonym – und zu Weihnachten leuchten Kinderaugen.

Zeit, Wissen & Wirtschaft: Warum nicht nur Geld die Welt verändert

Vielleicht liest du das gerade und denkst dir: „Ich würde so gerne helfen, aber finanziell ist es bei mir selbst gerade eng.“ Dann lass dir eines sagen: Zeit und Wissen sind für uns oft genauso unbezahlbar wie Geld!

Auf unseren fast 250 Quadratmetern gibt es immer alle Hände voll zu tun. Du kannst uns deine Zeit spenden:

  • Beim Dekorieren, Zusammenräumen oder Putzen im Haus,
  • als helfende Hand im Paketshop (besonders jetzt im vorweihnachtlichen Paket-Trubel!),
  • bei kleineren handwerklichen Umbauarbeiten,
  • bei der Betreuung unserer Veranstaltungen – oder indem du auf unseren Festen in eine Rolle wie den Weihnachtsmann oder den Grinch schlüpfst!

Genauso kannst du dein Wissen spenden: Du gibst gerne Nachhilfe und möchtest Kinder kostenlos bei uns im Haus beim Lernen unterstützen? Oder du kannst toll zeichnen und sagst: „Du, ich gebe bei euch einen kleinen Mallehrgang für Kinder“? Wir sind für alle verrückten und schönen Ideen offen! Ruf uns einfach vorher kurz an, damit wir uns einen Termin ausmachen können, an dem Lyn wirklich in Ruhe Zeit für dich hat, und wir besprechen bei einem Kaffee im HerzWerk, was dir Spaß machen würde.

Auch Unternehmen und Betriebe aus der Region sind herzlich eingeladen, mit uns gemeinsame Sache zu machen – sei es beim Wunschbaum, bei Events oder als laufende Partner. Unser Mehrwert für die Wirtschaft kann sich sehen lassen: Durch unsere enorme Reichweite auf Social Media, Plakate im Geschäft, Verlinkungen auf unserer Homepage, eigene Blogbeiträge und das tägliche Gespräch mit hunderten Kunden vor Ort bieten wir echte regionale Sichtbarkeit. Zudem lässt sich die Unterstützung für Firmen im Regelfall als steuerlich begünstigtes Sponsoring abwickeln. Durchs gemeinsame Reden entstehen oft die schönsten Wunder!

Warum jeder einzelne Cent (und ein kleiner Lolli) zählt

Zum Schluss möchten wir noch mit einem Irrglauben aufräumen: Viele trauen sich fast nicht, einen oder zwei Euro in unsere Spendenbox zu werfen, weil sie glauben, das ändere ohnehin nichts.

Das Gegenteil ist der Fall. Jeder einzelne Cent zählt! Erst heute hatten wir wieder so einen Moment im Geschäft: Ein kleines Mädchen war bei uns, ein bisschen unruhig und traurig. Wir haben ihr einfach einen kleinen Lolli geschenkt, der nicht einmal einen Euro gekostet hat. Plötzlich hat das Mädchen über das ganze Gesicht gestrahlt und war glücklich. Genau für solche Momente machen wir das alles.

Und ganz ehrlich: Wenn uns jemand einen Euro gibt, der selbst fast nichts in der Tasche hat, dann bedeutet uns dieser Euro die Welt. Denn dieser Mensch weiß aus erster Hand, wie es sich anfühlt, wenn das Leben hart ist, und warum es einen Verein wie unseren braucht. Wenn eine Geste von Herzen kommt – egal ob ein wenig Kleingeld, eine Stunde Zeit oder ein geteilter Beitrag –, dann verändert man damit nicht nur das Leben anderer, sondern auch sich selbst ein Stück weit.

Habt also bitte keinerlei Hemmschwelle, uns anzusprechen oder durch unsere Tür zu gehen. Wir nehmen jeden Menschen genau so, wie er ist. Bei uns ist jeder gleich – völlig egal, wer du bist, woher du kommst oder welchen Beruf du im realen Leben hast. Das Einzige, was für uns zählt, ist, dass du helfen magst und dein Herz am rechten Fleck trägst.

Kommt vorbei – denn unser Haus voller Leben ist genauso bunt und vielfältig wie ihr!

Eure Lyn & Martin