HerzBlick #1: Zwischen Paketwahnsinn, Greissler-Charme und der Frage, warum wir uns das antun

HerzBlick Verein Herzwerk gemeinnützig blick hinter die Kulissen Ternitz Neunkirchen quadratisch
HerzBlick Verein Herzwerk gemeinnützig blick hinter die Kulissen Ternitz Neunkirchen rechteckig

Willkommen bei „HerzBlick“. Hier gibt es keine Filter, keine Hochglanz-PR und keine leeren Phrasen. Hier nehmen wir euch mit hinter die Kulissen vom „Haus voller Leben“ in Ternitz und zeigen euch ungeschminkt, was es heißt, einen gemeinnützigen Verein ehrenamtlich zu führen.

Der Kopf und das Herz: Wer hier eigentlich plant Wenn die Leute unsere Projekte sehen – vom LernBuddy bis zur Boutique –, denken viele oft, da sitzt im Hintergrund ein kühler Stratege, der alles plant. Die Wahrheit ist eine andere: Wir teilen uns die Planung eng, aber der wahre Motor und die Architektin für das „Haus voller Leben“ ist Lyn.

Wenn wir abends nach Ladenschluss das Licht ausmachen und nach Hause fahren, ist die Erschöpfung oft groß. Und doch rattert der Kopf weiter. Die größte, oft unsichtbare Sorge, die uns begleitet: Wie können wir dieses wundervolle Projekt weiter vorantreiben? Wie können wir unsere Bekanntheit steigern, um noch mehr Gutes zu tun, wenn das Budget als gemeinnütziger Verein extrem gering ist? Es ist ein täglicher Kampf, ohne großes finanzielles Megafon Gehör zu finden.

Die Wiedergeburt des Greisslers Doch all diese Sorgen verfliegen in Momenten, die sich direkt am Tresen abspielen. Kürzlich stand eine Kundin bei uns und sagte einen Satz, der uns tief berührt hat: Sie komme so gerne zu uns, weil man hier noch richtig plaudern könne – wie früher in den kleinen Greisslereien. Anstatt auf Verkäufer zu treffen, die nicht einmal grüßen, findet man bei uns Zeit für ein Gespräch.

Genau das ist unser Ziel. Jeder Mensch, der durch unsere Tür kommt, soll mit einem positiven Gedanken und einem Lächeln wieder hinausgehen. Egal, ob jemand ein Paket abholt oder durch unsere Handwerks-Regale stöbert: Wir begegnen jedem mit Respekt, Herzblut und völlig ohne Vorurteile. Wir alle sind gleich. Wir alle sind Menschen. Dass unsere Kunden diese ehrliche Freundlichkeit spüren und uns das auch sagen, ist unser schönster Lohn.

Wenn die Nöte der anderen schwer wiegen Natürlich bringt diese Nähe auch emotionale Herausforderungen mit sich. Wenn man zuhört, hört man auch von Schicksalen und Nöten. Manchmal verfolgen einen diese Geschichten. Aber als Familie mit vier Kindern mussten wir lernen, eine Grenze zu ziehen. Wir halten das ganz bewusst von unseren Kindern fern. Wenn man diese Dinge immer mit nach Hause ins Privatleben nimmt, geht man daran auf Dauer kaputt. Jeder, der im sozialen Bereich arbeitet, muss diese Trennung lernen, auch wenn das ganze Herz im Verein steckt.

Warum wir uns das antun Trotz des Stresses und der emotionalen Last fragen wir uns nie, warum wir das alles machen. Wir tun es für eine bessere Gesellschaft. Wir gehen mit nichts an die Öffentlichkeit, was nicht durchdacht ist – wie unseren „LernBuddy“, der über Jahre entwickelt und durch Feedback ständig verbessert wurde.

Wir tun all das, weil wir wissen: Die Politik alleine kann nichts ändern. Es ändert sich nur etwas, wenn jeder von uns etwas tut.

Unsere größte Vision für die nächsten Jahre ist ein spürbarer Zusammenhalt. Dass wir Vorfälle an Schulen, Kindergärten oder im öffentlichen Leben eindämmen können, weil die Generationen wieder anfangen, miteinander zu reden. Bei unseren Events im kleinen Rahmen passiert genau das schon jetzt. Wenn wir in ein paar Jahren, unterstützt von der Bevölkerung und lokalen Partnern, dutzenden Kindern helfen können, dann haben wir wirklich etwas bewegt.

Denn am Ende bleibt eine einzige Frage: Wenn wir nicht heute auf unsere Kinder schauen, was überlassen wir ihnen dann morgen und wie soll es ihnen übermorgen gehen?

Danke, dass ihr Teil unserer Reise seid. Kommt vorbei, wir freuen uns auf euch!

Eure Lyn & Martin